Seifenopern

Seit den 80er Jahren gibt es in den USA sog. Seifenopern. Darunter versteht man Sendungen, die täglich – in der Regel montags bis freitags – zu einer bestimmten Uhrzeit laufen und dem Zuschauer das Gefühl geben, Teil der Filmcrew zu sein. Dabei werden die Schauspieler nicht selten mit ihrer Rolle verwechselt und Fans verfallen so den Serien, dass es zu menschlichen Katastrophen kommt, wenn bestimmte Sendungen abgesetzt werden. Oft werden die Schauspieler von erfolgreichen „Daily Soaps“ auf Jahre hin verpflichtet und die Verträge enthalten knallharte Klauseln. So dürfen die Darsteller in keinem anderen Film mitspielen oder am Theater arbeiten. Nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Regisseure und Produzenten ist eine Ausnahme möglich, die selten gewährt wird, weil der Zuschauer nicht bereit ist, den Schauspieler in einer anderen Rolle zu akzeptieren.

In Deutschland gibt es seit den 90er Jahren Endlossendungen
Ganz nach amerikanischem Vorbild gibt es auch bei uns auf den privaten und öffentlichen Sendern Serien, die den Menschen in eine Parallelwelt entführen. Spannende Konflikte und Erlebnisse für den einfach strukturierten Fernsehzuschauer. Seit 1992 läuft auf RTL die Sendung „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Es gibt Zuschauer, die ihre Daseinsberechtigung davon abhängig machen und geradezu süchtig sind nach dieser Sendung. Selbstmorddrohungen gehen bei den Machern ein, wenn bestimmte Seriendarsteller aus der Sendung aussteigen wollen. Wie eine Droge wirken diese Serien und machen es den Machern schwer, ein Ende zu finden. Viele Zuschauer planen ihren Alltag um die Sendung, um keine einzige Folge zu verpassen. Internetforen gibt es dazu und online werden die einzelnen Folgen und Szenen besprochen. Wenn ein Schauspieler stirbt, ist dies eine emotionale Tragödie.

Fernsehen als Lebensersatz
Wer mit Hilfe von marktforschungsrelevanten Studien die Zielgruppe auswertet, wird feststellen, dass es eine ganz klar strukturierte Klientel gibt, die sich für Serien wie GZSZ interessieren. Dabei spielen Faktoren wie Einsamkeit und Arbeitslosigkeit eine zentrale Rolle. Menschen ohne Job haben früher oder später kaum Geld. Ohne Geld und Geschenke können keine sozialen Kontakte gepflegt werden. Der Fernseher als Ersatz für Freunde und Familie. Immer schneller verwischen bei dieser Zielgruppe Fiktion und Realität. Einzelheiten dazu gibt es auf myheimat.de. Hier werden die Hintergründe der Serie diskutiert und Prognosen für die Zukunft besprochen.